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Familienzuwachs bei EVO-tech – Mittelklasse ganz groß

: EVO-tech


Auf den kürzlich in Schörfling am Attersee und Mönchengladbach abgehaltenen Hausmessen präsentierte die EVO-tech GmbH ihre neueste Entwicklung – den EL-28. Damit schließt das Unternehmen die Lücke zwischen dem Einstieg in den 3D-Druck und dem Großraumdruck. Von Georg Schöpf, x-technik

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Die zwei unabhängig ansteuerbaren Druckköpfe ermöglichen Parallelverarbeitung oder die Verarbeitung unterschiedlicher Materialien.

Die zwei unabhängig ansteuerbaren Druckköpfe ermöglichen Parallelverarbeitung...

Über zehn Jahre und kein bisschen müde! Mehr als zehn Jahre ist es her, dass Markus Kaltenbrunner, Geschäftsführer der EVO-tech GmbH, seinen ersten Hobby-3D-Drucker in einer Studentenkellerbar in Linz baute. Zwei Jahre später gründete er zusammen mit zwei Partnern die EVO-tech GmbH. Seitdem ist viel passiert. Ursprüngliches Ziel war es, ein Produkt zu entwickeln, das den 3D-Druck vom Prototypenbau hin zur Fertigung von Betriebsmitteln und Kleinserien führt. Am Ende einer einjährigen Entwicklungszeit stand der Evolizer als fertiges Produkt bereit, den Markt zu erobern. Dass das gelungen ist, zeigen die weiteren Entwicklungen des Unternehmens auf beeindruckende Weise. Zahlreiche Systeme wurden bereits im Markt platziert und zusätzliche Vertriebsniederlassungen und Showrooms eröffnet. „Uns ist dabei immer wichtig, uns am Bedarf der Kunden zu orientieren“, weiß Kaltenbrunner. „Oft haben Entscheider in Unternehmen ein verzerrtes Bild von der Additiven Fertigung oder dem 3D-Druck. Oft liegt der Schlüssel gar nicht darin, das Endprodukt durch ein 3D-gedrucktes Teil zu verbessern oder dieses gar komplett zu drucken. Viel öfter liegt der Vorteil in der kurzfristigen und einfachen Bereitstellung von Werkzeugen oder Betriebsmitteln“, erklärt der Geschäftsführer. So hat er es sich auch zum Prinzip gemacht, auf Industriemessen nicht in der AM-Halle zu stehen, sondern sich genau dort zu positionieren, wo seine Zielkunden nach Lösungen für ihre Alltagsprobleme suchen: Betriebsmittel, Halterungen und Ähnliches. „Natürlich haben wir auch zahlreiche Kunden, die mit unseren Maschinen finale Bauteile herstellen und die Bandbreite der Anwendungen wird immer größer“, freut sich Kaltenbrunner.

Materialkompetenz als Erfolgsfaktor

Wesentlichen Anteil an dieser Bandbreitenerweiterung hat das Thema Materialkompetenz. Ein Feld, in dem sich der Geschäftsführer
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Die Materialbandbreite von EVO-tech ist beachtlich und lässt kaum Wünsche offen. Dennoch hält EVO-tech die Systeme für andere Materialien offen.

Die Materialbandbreite von EVO-tech ist beachtlich und lässt kaum Wünsche...

schon früh klar positioniert hat und auch in manchen Bereichen eine absolute Vorreiterrolle einnimmt. So hat EVO-tech gemeinsam mit BASF das Thema filamentbasierter Metall-3D-Druck vorangetrieben. „Da sind wir schon stolz darauf. Es hat uns sehr dabei geholfen, im Markt noch bekannter zu werden und natürlich auch einen technologischen Vorsprung gebracht, von dem wir auch weiterhin profitieren. Materialkompetenz ist überhaupt ein Thema, das sich für uns als extrem wichtig erwiesen hat. Nur wenn man das Material versteht und die Anforderungen der Kunden in der Materialentwicklung mitberücksichtigt, hat man eine Chance, auch die geeignete Verarbeitungsmaschine zu positionieren. Frei nach unserem Motto: Materialvielfalt als Schlüssel zur additiven (Serien)Fertigung“, verrät der Geschäftsführer.

Wunsch nach großen Teilen

Im Laufe der Jahre hat sich aber auch herauskristallisiert, dass die Kunden den Wunsch haben, große Teile additiv herzustellen. Der Evolizer mit seinen elf Litern Bauraum bot schon die Möglichkeit, ein großes Spektrum an Teilen quasi desktopbasiert herzustellen. Für größere Teile war jedoch ein neues Maschinendesign erforderlich. „Mit den Mitteln und der Technik des Evolizer war es nicht möglich, einfach größer zu skalieren. Wir mussten die Maschine komplett neu entwickeln. Ein größerer Bauraum stellt ganz andere Anforderungen an die Achsmechanik und auch die Materialzuführung bedurfte einer Neukonstruktion. Ebenso haben wir das Thema Materialmanagement und Temperatursteuerung komplett neu aufgestellt. Ergebnis war eine Maschine mit 102 Liter Bauraum und zusätzlichen Features wie automatische Bettvermessung, Vakuum-Spannbett und vieles mehr. Dementsprechend bekamen die Systeme auch neue Namen. Die große Maschine
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Die Metall-FDM-Technologie wurde von EVO-tech maßgeblich mit beeinflusst und ist selbstverständlich auf allen Evolizern möglich.

Die Metall-FDM-Technologie wurde von EVO-tech maßgeblich mit beeinflusst und...

bekam die Typenbezeichnung EL-102 und der ursprüngliche Evolizer wurde entsprechend des Bauvolumens zum EL-11“, führt Kaltenbrunner weiter aus.

Der EL-102 wurde im Markt ebenso gut angenommen wie schon sein Vorgängermodell und bot aufgrund der noch stabileren Bauweise zusätzliche Vorteile hinsichtlich Präzision und Wiederholgenauigkeit. Eine integrierte Filamenttrocknung und die Möglichkeit, große Materialspulen vorzuhalten, ermöglichen so die Herstellung sehr großer Teile mit durchgängig guter Qualität.

Neues bieten – Bedarfe decken

Auf den sehr positiven Ergebnissen wollte sich Kaltenbrunner mit seinem Team aber nicht ausruhen und beschloss, auch in der mittleren Größenklasse eine Lösung anzubieten. Er meint dazu: „Der EL-102 konnte im Markt durch prozesssichere Baujobs in Kombination mit dem offenen Materialsystem und einer hervorragenden Teilequalität überzeugen. Allerdings ist die Maschine, was den Bauraum und die verarbeitbaren Materialien anbelangt, schon in der Oberliga angesiedelt. Oft ist bei den Anwendern, speziell im Vorrichtungsbau, jedoch die maximale Bauteilgröße kleiner und der Trend geht eher zu mehreren, kleineren Maschinen mit hoher Prozesssicherheit.“ Er erklärt das unter anderem damit, dass die Industrie mit günstigen „Homedruckern“ gelernt hat, wo sie 3D-Druck erfolgreich einsetzen kann und nun diese Maschinen nach und nach mit professionelleren Maschinen ersetzt.

Der neue EL-28

Die zusammengefassten Erkenntnisse aus Marktbeobachtungen und
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Die Achssysteme der neuen Maschinengenerationen werden aus dem Vollen gefräst, was mehr Stabilität und Präzision verspricht.

Die Achssysteme der neuen Maschinengenerationen werden aus dem Vollen gefräst,...

Kundenfeedback führte zur Entwicklung der jüngst vorgestellten EL-28 Systemvariante. Dieser vereint den Gedanken einer kompakten Einstiegslösung in den professionellen 3D-Druck mit den Vorzügen der Präzisionstechnik aus dem großen EL-102. „Wir haben beim EL-28 ein paar zusätzliche Highlights, mit denen wir auch den großen Bruder ausstatten. Der Rahmen für das Achssystem wird aus Stahl gefräst, was zusätzliche Vorteile hinsichtlich Stabilität und Positioniergenauigkeit bietet. Ebenso sind die Lager und Spindeln nahezu spielfrei ausgeführt. Eine konsequente Temperatursteuerung verhindert einen Wärmegang der Maschine und die automatische Bettvermessung erfolgt parallel am Druckkopf, was eine automatische Justierung ermöglicht. All das vereinfacht die Nutzung des Systems erheblich und bietet zusätzlichen Bedienkomfort“, erklärt Kevin Griesmayr, der neue technische Geschäftsführer von EVO-tech. Auch für die neue EL-28, die im Grundausbau ohne Unterbau auch als Desktop-System betrieben werden kann, ist ein Unterschrank mit Platz für große Filamentspulen verfügbar. Ebenso wie der EL-102 verfügt der EL-28 über separat steuerbare Druckköpfe, was die Verarbeitung von unterschiedlichen Filamenten oder aber die parallele Arbeit an zwei Bauteilen ermöglicht. Der Bauraum des EL-28 beträgt 340 x 240 x 350 mm. Die Düsentemperatur von bis zu 360° C in der Advanced-Version ermöglicht auch die Verarbeitung von Hochtemperaturwerkstoffen. Auch eine automatische Materialerkennung ist in der Advanced-Version verfügbar, was den Einsatz zusätzlich vereinfacht.

Verbesserung der Bestandssysteme

Die Neuerungen des EL-28 sind aber auch in eine ebenfalls im Rahmen der Hausmesse vorgestellte zweite Generation des EL-102, den EL-102 V2 eingeflossen. Das neue Closed-Loop-Antriebssystem sorgt für hohe Systemstabilität durch automatische Korrektur von Abweichungen.
Der bis auf 100° C beheizbare Bauraum ermöglicht die Verarbeitung von technischen Polymeren mit engerem Temperaturfenster für die Verarbeitung. Die automatische Kalibrierung arbeitet über eine Druckbettvermessung mit 36 Punkten, was eine ebenso automatische Kalibrierung der Parallelität zwischen Bett und Düsenkopf ermöglicht. Die automatische Kalibrierung der beiden Düsen zueinander erscheint in diesem Lichte schon fast selbstverständlich.

„Insgesamt sind im neuen System, aber auch in der V2-Variante des EL-102 zusätzliche Funktionalitäten und Optionen verfügbar, die den Einsatz der Systeme im täglichen Betrieb enorm vereinfachen“, fasst Griesmayr zusammen und Kaltenbrunner ergänzt: „Mit den neuen Systemvarianten ist es uns glaube ich gelungen, genau die Anforderungen zu erfüllen, die in Unternehmen oftmals ein Hindernis zur Nutzung des 3D-Drucks darstellen. Das sind die Vereinfachung der Bedienung, die Stabilität und Wiederholgenauigkeit des Druckprozesses sowie eine Beschleunigung des Gesamtablaufes durch automatische Kalibrierung, Materialerkennung, einfacheres Spannen und optimiertes Materialmanagement.“

Die zwei unabhängig ansteuerbaren Druckköpfe ermöglichen Parallelverarbeitung oder die Verarbeitung unterschiedlicher Materialien.
Die Materialbandbreite von EVO-tech ist beachtlich und lässt kaum Wünsche offen. Dennoch hält EVO-tech die Systeme für andere Materialien offen.
Die Metall-FDM-Technologie wurde von EVO-tech maßgeblich mit beeinflusst und ist selbstverständlich auf allen Evolizern möglich.
Die Achssysteme der neuen Maschinengenerationen werden aus dem Vollen gefräst, was mehr Stabilität und Präzision verspricht.
Eine Studentenkellerbar in Linz war die Keimzelle der Evolizer-Familie.
Kevin Griesmayr (links), CTO von EVO-tech und Markus Kaltenbrunner, CEO von EVO-tech vor dem neuen Mitglied der Evolizer-Familie, dem EL-28.
Auch der Eingangsbereich von EVO-tech erstrahlte zur Hausmesse in neuem Licht – einladend und freundlich.
Parallel zum Druckkopf angebrachte Sensoren ermöglichen eine automatische Kalibrierung.
Die ersten selbst gebauten 3D-Drucker. Heute sind sie zu ausgewachsenen Industriemaschinen geworden.


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/xtredimg/2020/Additive%20Fertigung/Ausgabe297/22536/web/01_Bild_0237-neu_Kopie.jpgMaschinenbau-Know-how für die Additive Fertigung
Das 1964 gegründete Familienunternehmen Weirather Maschinenbau und Zerspanungstechnik GmbH beschäftigt derzeit 25 Mitarbeiter und beheimatet auf etwa 1.200 m² Betriebsfläche einen modernen Maschinenpark aus Dreh- und Fräsbearbeitungszentren, eine Montage und eine Qualitätssicherung. Das Entwicklungsteam besteht aus den beiden Geschäftsführern Günter und Albin Weirather und deren beiden Söhnen Mario und Patrick. Ein kleines, schlagkräftiges Team, das den Großen der Branche die Stirn bieten möchte. Das Interview führte Georg Schöpf, x-technik
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